„Die Sprache macht den Menschen – die Herkunft macht es nicht.“
So fasst Professor Higgins in dem Musical „My fair Lady“ seine Bemühungen um Eliza Doolittle zusammen, um dann den Stoßseufzer zum Himmel zu schicken: „Kann denn die Kinder keiner lehren, wie man spricht?“
Die Sprache lehren – den Menschen machen. Das ist die Aufgabe des Deutschunterrichts, darum ringen wir. Wir – das sind die Deutschlehrer und -lehrerinnen an der Herderschule: mit 19 Lehrerinnen und Lehrern, verstärkt durch 4 Referendare und Referendarinnen, die größte Fachschaft unserer Schule.
Trotz aller Favorisierung der Naturwissenschaften, der Technisierung der Welt und des Strebens nach Rationalisierung ist der Deutschunterricht noch immer das Kernfach in den deutschen Schulen. Im Zentrum steht natürlich die Sprache. Die Sprache drückt Emotionen, Gefühle und rationale Prozesse aus; sie ist die Grundlage unserer komplexen sozialen Systeme. Ohne Sprache gibt es keine dauerhaften sozialen Bindungen; mit Sprache werden Machtverhältnisse etabliert. Darum ist es uns wichtig, dass sich unsere Schülerinnen und Schüler mit Sprache und ihrem Gebrauch auseinander setzen. Sie sollen ein Gespür für die Sprache, für ihre Schönheit und ihre Kraft, für ihre schöpferischen und zerstörerischen Energien, gewinnen. Sie sollen sie korrekt und bewusst verwenden und sie kritisch reflektieren, um nicht selber Opfer von Sprache zu werden.
Unsere Schülerinnen und Schüler sollen aber nicht nur ihre Sprache kennen und gebrauchen lernen, sie sollen auch literarisch gebildet werden, eine Orientierungshilfe in der Vielfalt der modernen Medienwelt erhalten, ihre Gesprächs- und Argumentationskompetenz ausbauen, ihre Persönlichkeit entwickeln. Unsere Wunsch-Herderschüler beherrschen alle grammatischen Regeln, schreiben sauber und richtig, sind belesen, rhetorisch begabt, vielseitig informiert und interessiert, denken komplex, können kritisch mit allen Arten von Medien umgehen – und haben Freude am Umgang mit Literatur.
Um dies zu erreichen, schulen wir unsere Schülerinnen und Schüler in den Techniken und Methoden der Textanalyse und Textproduktion, untersuchen wir mit ihnen die rhetorischen Mittel und ihre Funktion, lesen wir Werke der klassischen und modernen Literatur, entschlüsseln wir Sachtexte, erörtern wir Problemstellungen – und pauken wir Grammatik. Aber nicht nur mit analytischen Herangehensweisen erkunden wir die Sprache und ihre Wirkung, sondern ein wichtiger Pfeiler unseres Deutschunterrichtes ist auch der produktive und kreative Umgang mit Sprache und Literatur. Unsere Schülerinnen und Schüler schreiben Texte, ergänzen Texte, verändern Texte. Sie setzen sie szenisch um, sie wechseln Perspektiven, sie füllen Leerstellen. So möchten wir sie in die weite, faszinierende Welt der Literatur einführen und sie teilhaben lassen an dieser Faszination.
Wir wünschen uns, dass wir bei unseren Schülern und Schülerinnen Freude am Lesen wachrufen, Freude am Schreiben wecken und Freude am Sprechen über Texte fördern. Wir möchten ihnen helfen, interessierte und kritische Leser zu werden, und sie als eigenständige, selbstbewusste und erfahrene Menschen gut gerüstet in das Leben entlassen – getreu Professor Higgins’ Motto: „Die Sprache macht den Menschen – die Herkunft macht es nicht.“
Oder wie Johann Gottfried Herder (1744-1803) es formulierte:
„Der Mensch ist Mensch nur durch die Sprache.“
Zuletzt aktualisiert am Montag, den 13. Dezember 2010 um 16:03 Uhr