Analysieren, interpretieren, diskutieren – Sprechen über Texte, Sprechen über Sprache – dies sind wichtige Tätigkeiten unseres Deutschunterrichtes. Aber kompetent Sprechen über Texte, fundiert Sprechen über Sprache, das geht nur, wenn man dazu auch über die entsprechende Sprache verfügt und einen Einblick in den Aufbau und das Funktionieren der Sprache gewonnen hat. Deswegen lernen und lehren wir einen Grundwortschatz an literaturwissenschaftlichem Vokabular, deshalb pauken wir die rhetorischen Stilmittel, und deshalb widmen wir uns der Grammatik. Leicht ist das nicht. Unsere Grammatik steckt voller Schwierigkeiten und Ungereimtheiten, so dass der französische Schriftsteller Rémy de Gourmont (1858-1915) sie gar mit dem Leben verglich:
„Das Leben ist wie die Grammatik: die Ausnahmen sind häufiger als die Regeln.“
Aber es gibt sie, die Regeln, und die sollen unseren Schülerinnen und Schülern vermittelt werden. Dies geschieht vor allem in den Jahrgängen der Sekundarstufe I (Klasse 5-9), in denen der Grammatikunterricht einen nicht unbedeutenden Schwerpunkt des Deutschunterrichtes bildet. In altersangemessener Zuordnung und mit wachsender Komplexität werden hier grundlegende Themen der Grammatik behandelt, geübt und wiederholt. Bis zum Ende der 9. Klasse sollten alle über ein grammatikalisches Grundwissen verfügen, die wichtigsten Begriffe kennen, die grundlegendsten Zusammenhänge erfasst haben, denn in der Einführungs- und Qualifikationsphase kommt kein neues Grammatikwissen mehr hinzu. Jetzt ist es wichtig, dass das Gelernte wiederholt, gefestigt und bei der Auseinandersetzung mit Texten und Sprache angewendet wird. Die folgende Zusammenstellung zentraler grammatikalischer Bereiche möge dazu dienen, sich zu informieren und Lücken zu schließen – immer im Gedenken an einen Satz aus Goethes wenig bekannter Erzählung „Die guten Frauen“:
„Man hat schon von alters gesagt: die Grammatik räche sich grausam an ihren Verächtern.“